friZ 3/2009

Die Sundarbans, zwischen Bangladesch und Indien im Gangesdelta gelegen, sind die grössten zusammenhängenden Mangrovenwälder der Welt.

Bedrohter Wald im Wasser

Das Wort Mangrovenwald provoziert meist Eindrücke von feucht-heissen Sümpfen mit schwärmenden Insekten oder undurchdringlicher Küstenwildnis mit komischen Baumformationen. Doch für jene, die sich in diese spezialisierten tropischen Wälder vorwagen, öffnet sich eine geheimnisvolle und vielfältige Wildnis mit sich ständig verändernden Farben und Stimmungen, fantastischen Wurzelformationen, perfekt angepassten Geschöpfen in jedem Winkel. Das Leben in dieser Wildnis pulsiert gleichförmig im rhythmischen Takt der Gezeiten. Im Gangesdelta aber gibt es einen weiteren lebensbestimmenden Faktor: den von Mensch und Tier gleichermassen gefürchteten Tiger. Die Sundarbans (bengalisch für «schöner Wald») sind eines der letzten Rückzugsgebiete des bengalischen Tigers (auch Königstiger genannt) und heute noch etwa so gross wie die Kantone Bern, Zürich und St. Gallen zusammen. Die Gesamtzahl der noch wild lebenden Tiger ist nicht bekannt, sie wird aber weltweit auf weniger als 5000 geschätzt.

Bedrohter Lebensraum

Die Sundarbans sind aber nicht nur für Lebensraum für Tiger, sie beherbergen auch zahlreiche Wassertiere, darunter auch zwei bedrohte Flussdelfinarten: der Gangesdelfin (Shushuk) und der Irawadidelfin. Grosse Teile der Sundarbans gehören heute zu einem Nationalpark, der sich über die gemeinsame Grenze von Indien und Bangladesch erstreckt. Diese Schutzgebiete wurden 1987 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Für das Binnenland bilden die Mangrovenwälder einen natürlichen Schutzwall gegen die regelmässig von Süden heranziehenden tropischen Zyklone. Dort sind zahlreiche Vogel-, Fisch- und Schlangenarten, sowie Krokodile, Hirsche und Wildschweine beheimatet. Ebenso findet man dort viele seltene Pflanzen, Mangroven dominieren das Gezeitengebiet. Grössere Tierarten wie das Nashorn und mehrere andere Huftiere wurden bereits in der Kolonialzeit durch Sportjägerei ausgerottet. Heute ist die Jagd streng reglementiert, doch ist Wilderei verbreitet. Das ökologische Gleichgewicht der Sundarbans ist mehrfach bedroht: Klimaveränderungen und die damit verbundene der Meeresspiegelerhöhung und zunehmende Versalzung der Süsswassergebiete, Ölverschmutzungen aus dem nahe gelegenen Hafen Mongla, sowie unkontrollierter Fang von Crevetten- und Fischlarven gefährden ihre Existenz. Die schwindenden Fisch- und Schalentierbestände bedrohen aber auch die Nahrungsgrundlage von Millionen von Menschen in Bangladesch.

Mowgliz: Forschung und Umweltschutz

Rubaiyat Mansur Mowgli verbringt bereits seit seinem zehnten Lebensjahr die meiste Zeit in den Sundarbans. Frühzeitig verliess er die Schule, um für das Tourismusunternehmen seines Vaters als Guide in den Sundarbans zu arbeiten. Sein tiefes Sachverständnis und sein grosser Erfahrungsschatz machen sich heute immer wieder internationale Filmcrews, Fotografen oder Wissenschafter zunutze. Seit vier Jahren widmet sich Rubaiyat Mansur Mowgli dem Schutz der Delfine und Wale in den Sundarbans und im Golf von Bengalen. Gemeinsam mit seiner Schweizer Partnerin, Elisabeth Fahrni Mansur, leitet er das «Bangladesh Cetacean Diversity Project» und veröffentlicht regelmässig populäre und wissenschaftliche Arbeiten über die Sundarbans. Elisabeth Fahrni Mansur, die bis 2002 im thurgauischen Weinfelden wohnhafte ehemalige Primarlehrerin, erarbeitet ausserdem umwelterzieherische Publikationen und Trainingsprogramme für Schulen und Universitäten in Bangladesch.

Living with Tides and Tigers

In dem neu erschienenen Buch «Living with Tides and Tigers» präsentieren vier FotografInnen und AutorInnen ihre Eindrücke und ihr Wissen über die Sundarbans. Gertrud und Helmut Denzau, Elisabeth Fahrni Mansur und Rubaiyat Mansur Mowgli: Living with Tides and Tigers - The Sundarbans Mangrove Forest. 2009, Mowgliz Production, Hardcover, 184 pages full color, 150 color photographs. Zu beziehen über: www.mowgliz.com

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