friZ 2/2009

In neun Gemeinden leisten Zivildienstleistende dieses Jahr einen Einsatz zur Konfliktprävention im öffentlichen Raum. Letztes Jahr erst in drei Gemeinden. Die 20 Zivis, die dabei zum Einsatz kommen, haben einen Kurs für gewaltfreie Konfliktlösung besucht. Von Nicholas Zogg

Konfliktprävention mit Zivildienstleistenden wird ausgeweitet

Der Einsatz von Zivildienstleistenden im öffentlichen Raum entspricht offenbar in vielen Gemeinden einem Bedürfnis. Das Pilotprojekt der Gemeinschaft Schweizer Zivildienstleistender GSZ und der Vollzugsstelle für den Zivildienst des Bundes ZIVI heisst «Konfliktprävention im öffentlichen Raum durch Zivildienstleistende». Das Konzept wurde von der GSZ in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für interkulturelle Konflikte TikK entwickelt und 2008 erstmals umgesetzt. Für 2009 ist die GSZ von ZIVI mit der Durchführung beauftragt.

Zwei Gemeinden

Als Vorbereitung haben die Zivis in einem von zwei fünftägigen Kursen die Grundlagen der gewaltfreien Konfliktlösung erlernt. Dazu gehören Gewaltfreie Kommunikation, Konfliktanalyse, Prävention und Intervention. Vielen Zivis ist es ein grosses Anliegen, sich für Konfliktlösung und Gewaltprävention zu engagieren. Nun bekommen sie das nötige Rüstzeug und Einsatzmöglichkeiten. Im öffentlichen Raum sind die Zivis jeweils zu zweit bei einer sozialen Institution angegliedert und werden dort betreut.
In den Gemeinden Adliswil ZH, Baden AG, Chur GR, Kerzers FR, Rapperswil-Jona SG, Wald ZH, Wettingen AG und Wil SG ist dies die Jugendarbeit, in Basel das Gesundheits- und Sozialdepartement. Zwei weitere Gemeinden wollten dieses Jahr am Pilotprojekt teilnehmen, wegen der noch geringen Bekanntheit konnten jedoch nicht genügend geeignete Zivis gefunden werden.

Ergänzung der Jugend- und Sozialarbeit

Mit einem genau definierten Pflichtenheft und einem 100%-Pensum sind die Zivis jeweils zu zweit auf Plätzen und Parks in den Gemeinden unterwegs und suchen den Kontakt zu meist jugendlichen Personen. Sie sind zwischen drei und sechs Monaten und auch am Abend und in der Nacht im Einsatz. Die Gemeinden schätzen es, dass sie dank den Zivis eine sonst unerreichbare Präsenz im öffentlichen Raum einnehmen und in einen direkten Kontakt zu Jugendlichen treten können. Der Einsatz von Zivis ist eine Ergänzung zur bestehenden Jugendarbeit und zu Sicherheitsdiensten und kann die Grundlage für weitere Massnahmen sein. Erfahrungen aus dem Jahr 2008 legen nahe, dass die Präsenz von Zivis eine gewaltpräventive Wirkung hat.

Evaluation Ende Jahr

Bis Ende Jahr werden die Kurse und die Einsätze evaluiert. Anschliessend entscheidet die Vollzugsstelle für den Zivildienst ZIVI über den weiteren Verlauf des Projekts. Die GSZ als Interessensvertretung der Zivis hofft und erwartet, dass das grosse Potential des Zivildienstes zu Konfliktlösung weiter entwickelt und genutzt wird.

Nicholas Zogg ist Projektleiter von «Konfliktprävention im öffentlichen Raum durch Zivildienstleistende». Ausführliche Informationen zum Projekt (u.a. den Schlussbericht des Pilotprojekts) gibt es auf der Homepage der GSZ (www.civil.ch). Eine Zusammenfassung des Berichts ist in Form einer Broschüre beim Schweizerischen Friedensrat erhältlich: SFR, Postfach 1808, 8021 Zürich; Tel 044 242 93 21, E-Mail info@friedensrat.ch.

GSZ

Die Gemeinschaft Zivildienstleistender Schweiz GSZ ist ein Verein und wurde 2003 gegründet. Sie setzt sich für die Interessen der Zivis ein. Für den Austausch unter Zivildienstleistenden werden nationale und regionale Treffen und Workshops durchgeführt. Auf politischer Ebene bringt die GSZ die Interessen der Zivis in Vernetzung mit anderen Zivildienstorganisationen ein.
Im Programm «Zivildienstleistende für Frieden und Sicherheit» (ZFS) führt die GSZ weitere Projekte zur Förderung der Friedensarbeit und Konfliktlösung im Zivildienst durch. Das letzte Projekt war die «Friedensschule» im Februar 2008 (siehe friZ 1/08).

Weitere Informationen auf der Homepage: www.civil.ch

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