friZ 2/2009

Während zwölf Tagen findet vom 21. September bis zum 2. Oktober 2009 die Kampagne zum Uno-Jahr der Aussöhnung 2009 statt – auch in der Schweiz. Von Ueli Wildberger

Zeit für Versöhnung – eine Kampagne

Die Aufarbeitung der Vergangenheit und Versöhnung sind bedeutsame Schritte auf dem Weg zu Frieden und Gerechtigkeit. Menschen aller Kulturen und durch alle Zeiten hindurch haben dies erkannt und ihre eigenen Konfliktlösungsstrategien und Rituale entwickelt. Versöhnung ist nicht nur auf internationaler, nationaler und gesellschaftlicher Ebene wichtig, sondern auch in Familien und auf der persönlichen Ebene. Eine gelungene Versöhnung ebnet den Weg für einen hoffnungsvollen Neubeginn.

Es ist an der Zeit, die Frieden stiftende Tradition von Versöhnung auf allen Ebenen unseres Seins und in allen Bereichen des Lebens neu zu beleben. Dies haben auch die Vereinten Nationen erkannt und das Jahr 2009 als Internationales Jahr der Aussöhnung ausgerufen.

Die zwölf Tage «Zeit für Versöhnung» finden zwischen dem «Internationalen Friedenstag» (21. September) und dem «Internationalen Tag für Gewaltlosigkeit» (2. Oktober) statt. Ziel des vielfältigen Programms ist es, das Bewusstsein für Versöhnung zu aktivieren und zu stärken. Trägerorganisationen sind: Forum für Friedenserziehung / IFOR-CH, S.E.R. Stiftung CH, CAUX-Initiativen der Veränderung, Schweizerischer Friedensrat, PeaceWomen Across the Globe / Friedensfrauen Weltweit, Welt ohne Krieg, Forum SOSOS / Solidarität und Spiritualität Ostschweiz, Ergosom-Verein CH, Frauen für den Frieden Schweiz

Versöhnung

2009 wurde von der Uno zum Jahr der Versöhnung deklariert. Gleichzeitig feiert der Internationale Versöhnungsbund/IFOR, der aus dem 1. Weltkrieg entstand und sich seit 1919 für aktive Gewaltfreiheit und Versöhnung einsetzt, sein 90-jähriges Jubiläum.

Versöhnung hat die Welt heute bitter nötig: In vielen Konfliktgebieten herrscht Krieg, wird Blut vergossen, reisst die Gewalt tiefe Wunden auf. Waffenstillstand ist zwar ein erster Schritt, genügt aber nicht. Versöhnung heisst, dass auch die inneren Verletzungen der Menschen Heilung finden, dass Hass und Feindschaft überwunden, und in eine neue versöhnte Gemeinschaft übergehen können.

Versöhnung ist etwas vom Schwierigsten. Der Schritt zur Reue und zum Schuldeingeständnis fällt Tätern oft schwer, weil er zwingt, den eigenen Verfehlungen, der eigenen dunklen Seite ins Auge zu sehen. Wo er aber gelingt, wirkt er reinigend und befreiend. Und auch die Vergebung fällt Opfern oft nicht leicht. Wir können starke Gefühle wie Aggressionen und Ressentiments ja nicht einfach beiseite legen. Vergebung setzt eine bewusste Entscheidung voraus. Dieser Entscheid zu vergeben ist sogar dann möglich, wenn die Täter noch nicht bereit sind zur Versöhnung. Wo Vergebung gelingt, wirkt sie befreiend von der Last der Vergangenheit, und eröffnet neue Zukunft.

Versöhnung kann nicht von aussen befohlen oder auferlegt werden. Die Gesellschaft kann aber durch ihre Beendigung des Unrechts das Recht wiederherstellen, und durch öffentliche Anerkennung des erlittenen Leids den Opfern ihre Würde wieder zurückgeben. Sie kann durch kollektive Aufdeckung der Wahrheit, durch Reinigungs- und Sühnerituale, durch Schritte der Wiedergutmachung und Wiedereingliederung einen Versöhnungsprozess ermöglichen.


Weltweiter Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit

Auch in der Schweiz bereiten sich Friedensorganisationen und Einzelpersonen intensiv auf den «Weltweiten Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit» vor. Dieses Grossereignis soll ein starkes Zeichen setzen und den unzähligen Aktivitäten zugunsten einer friedlichen und gewaltfreien Welt neuen Auftrieb verleihen.

Der Weltweite Marsch ist eine Initiative der von der humanistischen Bewegung inspirierten Aktion «Welt ohne Krieg», einer internationalen Organisation, die sich seit 15 Jahren für Pazifismus und Gewaltfreiheit einsetzt. Die Teilnahme steht aber allen Personen, Vereinen, Gruppen, politischen Parteien, Unternehmen usw. offen, die mit dem Geist dieses Projekts übereinstimmen. Der Start erfolgt in Neuseeland am 2. Oktober, dem Geburtstag Gandhis, der von der Uno zum «Internationalen Tag der Gewaltfreiheit» erklärt worden ist. Er endet am 2. Januar 2010 in den Anden, genauer am Fuss des Aconcagua im argentinischen Punta de Vacas-Park.

Auch in der Schweiz, wo der Marsch Anfang November 2009 ankommen wird, sind Aktionen geplant. Die OrganisatorInnen werden von zahlreichen Persönlichkeiten unterstützt. Mit dabei sind eine Reihe von eidgenössischen ParlamentarierInnen, aber auch Menschen aus Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft wie etwa der Musiker Andreas Vollenweider, das Fotomodell Patricia Fässler oder der Zürcher Medizinprofessor Daniel Jeanmonod. Konkret geplant sind im Moment folgende Aktivitäten: Am 19. September 2009 ein Festival mit einem während des ganzen Marsches laufenden Bilderwettbewerb und verschiedensten Attraktionen in Zürich, am 3. Oktober 2009 eine Friedenszeremonie in Zürich, am 24. Oktober 2009 eine Bilderausstellung in Basel, am 7. November 2009 ein Forum in Lausanne und am 8./9. November 2009 die Ankunft des Marsches in Genf.

Eine laufend aktualisierte Übersicht findet sich im Internet auf: www.weltweitermarsch.ch

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