friZ 2/2009

Am 16. und 17. Mai hat sich in Langnau eine internationale Gruppe von jungen Leuten getroffen, um sich mit der Frage zu befassen, was jede und jeder von uns zu einer friedlicheren Welt beitragen kann. Organisiert wurde das Seminar vom Service Civil International (SCI) Schweiz. Von Michelle Zumofen

FriedensaktivistInnen aus aller Welt

Was verstehen wir genau unter Frieden? Was hat Friede mit Umweltschutz zu tun? Wie können wir in unseren eigenen Organisationen die Friedenserziehung einbringen? Und wie können wir unsere persönlichen Fähigkeiten erkennen und ausbauen, wenn wir selbst zu einem Friedensprozess beitragen möchten?

Diese und viele andere Fragen wurden während zwei Tagen im Rahmen eines Train-the-Trainers-Seminar des SCI rege diskutiert. Stattgefunden hat das Seminar im gemütlichen, unter Denkmalschutz stehenden Holzhaus der Jugendherberge Langnau im idyllischen Emmental. Doch teilgenommen haben an diesem Seminar im Herzen der Schweiz Friedensinteressierte aus der ganzen Welt: ein Australier, zwei CostaricanerInnen, eine Honduranerin, eine Rumänin, ein Deutscher, eine Italienerin und eine US-Amerikanerin haben mit ihrer internationalen Präsenz zusammen mit neun Schweizer TeilnehmerInnen und fünf LeiterInnen gezeigt, dass die Friedenserziehung und das Globale Lernen wichtige und weltweit aktuelle Themen sind, welche wir alle gemeinsam anpacken können und müssen.

Spannender Austausch

So war denn auch eines der Hauptziele des Seminars, zu diskutieren, wie wir alle voneinander lernen und das Gelernte in unseren eigenen Organisationen weitergeben können. Da die Teilnehmenden verschiedenste Organisationen wie das World Scout Bureau, den International Cultural Youth Exchange (ICYE), eine honduranische Jugendorganisation, Amnesty International oder den SCI selbst vertraten, war einerseits ein spannender Austausch garantiert, und andererseits können die so gewonnenen Erfahrungen auch in breiten Kreisen weitergegeben werden.

Dass das grosse Interesse der Teilnehmenden am Seminar und das Engagement im Bereich der Friedenserziehung nicht nur leere Floskeln sind, zeigen die bereits angelaufenen Nachfolgeprojekte wie eine Facebook-Interessensgruppe und der weiterhin laufende Austausch für gemeinsame zukünftige Projekte. Denn einmal mehr ist uns allen klar geworden: Wenn jeder seinen Teil zum Frieden beiträgt und seine Erfahrungen und sein Wissen weitergibt, können wir gemeinsam viel erreichen. Und vielleicht wird es sogar ein zweites Train-the-Trainers-Seminar geben...

Was bedeutet Friede für Dich?

Zur Illustration ein paar Zitate von drei Teilnehmerinnen zur Kernfrage des Seminars, was Frieden für sie bedeutet:

Frida aus Rumänien

«I think that for peace it is necessary that everybody can express himself freely without offending the other's freedom. And everybody should respect the others as well. If you can see all the others as human beings, then you can not hate him or jugde him, because you accept that he is human and that he is different from you. Life is colourful because we are not the same, but we have to accept each other like he or she is, without changes. And we can do it in everyday's life...»

Ich glaube, Voraussetzung für Frieden ist, dass sich alle frei ausdrücken können ohne die Freiheit der anderen zu verletzen. Und jedeR sollte die anderen ebenso respektieren. Wenn Du die anderen auch als Menschen siehst, dann kannst Du sie nicht hassen oder verurteilen, weil du akzeptierst, dass sie Menschen sind und anders als Du. Das Leben ist farbig, weil wir nicht alle gleich sind, aber wir müssen einander so akzeptieren wie wir sind, ohne Änderungen. Und wir haben die Möglichkeiten, das in unserem Alltag so umzusetzen.»

Maria aus Honduras

«To me, peace is more the lack of violence in a cultural level, violence between religions, violence between youths and different communities. Even though countries are not in war, there are different forms of violence that are going on. So our country is not at war but it's not in peace either, because there's so many social problems and social conflicts that it's not a war without peace but it's a war without social inclusion, without social harmony.»
Für mich ist Frieden mehr als die Abwesenheit von Gewalt auf kultureller Ebene, von Gewalt zwischen Religionen, von Gewalt zwischen Jungen und verschiedenen Gemeinschaften. Auch wenn Staaten nicht offiziell im Krieg sind, gibt es verschiedene Formen von Gewalt. So herrscht auch in meinem eigenen Land, in Honduras, weder Krieg noch Frieden, weil es dort so viele soziale Probleme und Konflikte gibt. Es ist kein richtiger Krieg ohne Frieden, sondern eine Art Krieg ohne Integration und Harmonie auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene.

Véronique aus der Schweiz

«Pour moi la paix c'est la capacité de pouvoir planifier au futur, de pouvoir penser à son futur de manière positive pour soi-même, sa famille, ses ami(e)s, son groupe ou son pays.»
Frieden ist für mich die Fähigkeit die Zukunft planen zu können, mir die Zukunft für mich selbst, für meine Familie, für meine Freunde, meine Gruppe und mein Land positiv vorzustellen.

Michelle Zumofen arbeitet als Projektassistentin im SCI-Projekt. Sie ist mitverantwortlich für die Organisation und Durchführung der Workshops und Seminare des Projekts.

SCI

Der Service Civil International (SCI) bringt Menschen aus allen Kontinenten zusammen, die sich für soziale, ökologische und kulturelle Projekte engagieren. Das gemeinsame Ziel: Gewalt überwinden und zeigen, dass Zusammenarbeit über alle Grenzen hinweg möglich und nötig ist.
Als Friedensorganisation wollen wir uns vertieft mit dem Thema Frieden befassen und konkrete Schritte unternehmen. Im Projekt «Friedensbildung durch Friedenspädagogik und Globales Lernen» setzen wir uns mit den Inhalten, Werten und Methoden der Friedenspädagogik und des Globalen Lernens auseinander, entwickeln sie weiter, wenden sie an und geben sie an interessierte Organisationen und Einzelpersonen weiter. In einem partizipativen Prozess erarbeiten wir ein Handbuch, das Jugendlichen und anderen Interessierten Anstoss gibt, selber aktiv zu werden. Ausserdem bietet der SCI Seminare für Mitglieder von Organisationen an, welche Themen wie Friedenspädagogik und Globales Lernen innerhalb ihrer Organisation selbst weitergeben möchten. Ein solches «Train-The-Trainer-Seminar» fand am 16./17. Mai in Langnau statt.

Mehr Infos zum SCI und zum Projekt «Friedensbildung durch Friedenspädagogik und Globales Lernen» unter www.scich.org in der Rubrik «Projekte».

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