FriZ 4/2004

Gerechtigkeit - Definitionsversuche

angemessen, richtig

Die ursprüngliche Bedeutung von gerecht ist "angemessen, richtig". Gleiches gilt für das davon abgeleitete Substantiv Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit wird heute, unter dem Einfluss der nachperikleischen aristokratischen Gegenreform [siehe Reaktion (Politik)] und Platos Lehre von absoluter Idee und Moral, oft definiert als Versuch, jedermann fair und moralisch angemessen zu behandeln. Die soziologische Funktion der Gerechtigkeit in diesem Sinne besteht darin, innerhalb menschlicher Beziehungen Werturteile zu ermöglichen.

In unterschiedlichen Lebensbereichen spielen Gerechtigkeitskonzepte eine große Rolle, insbesondere in der Rechtsprechung, im sozialen Zusammenleben (Soziale Gerechtigkeit), im Sport, bei Auswahlverfahren (Chancengleichheit) und im Ausgleich zwischen gesellschaftlichen Gruppen (Gleichberechtigung, Generationengerechtigkeit).

Zukünftige Herausforderungen für den Gerechtigkeitsdiskurs sind die Themen Armut, internationale Verteilungsgerechtigkeit, Migration, kulturelle Selbstbestimmung sowie Gerechtigkeit gegenüber Tieren und der Natur. Auch die Fragen des "gerechten Krieges" werden neu zu diskutieren sein.

Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie im Internet ( www.wikipedia.org)

Zentraler Grundwert

Allgemein: Gerechtigkeit bezeichnet das Verhalten eines Menschen oder eine soziale Gegebenheit, die subjektiv als (ge-)recht beurteilt wird. Gerechtigkeit ist insofern eine Tugend.

Spezifisch: Gerechtigkeit ist ein zentraler Grundwert und oberstes Ziel des Rechtsstaates, das als Ordnungs- und Verteilungsprinzip immer wieder neu bestätigt und angewandt werden muss. Seit Aristoteles wird zwischen ausgleichender und austeilender Gerechtigkeit unterschieden. Ausgleich wird im Verhältnis zwischen den Individuen geschaffen, wenn z.B. geschlossene Verträge eingehalten werden (der Verkäufer übergibt die Ware, der Käufer zahlt den Kaufpreis; die geleistete Arbeit wird entlohnt) oder Schadensersatz geleistet wird (auch: Tausch- Gerechtigkeit). Die austeilende Gerechtigkeit bezieht sich auf das Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft: Das Individuum trägt (entsprechend seinen Kräften) zum Wohle der Gemeinschaft bei, erfüllt die staatsbürgerlichen Pflichten, zahlt Steuern etc., und die Gemeinschaft sorgt dafür, dass dem Individuum sein (verhältnismässig) gerechter Anteil (z.B. Fürsorge) bzw. seine gerechte Strafe (bei Verstoß gegen die Ordnung) zukommt. Traditionell gehört damit die Aufrechterhaltung einer gerechten Ordnung zu den Pflichten der Herrschenden bzw. kommt den Beherrschten bei Unrecht ein Widerstandsrecht zu. Schwierigkeiten hinsichtlich der Gerechtigkeit ergeben sich nicht aus diesen allgemeinen Bestimmungen, sondern jeweils im konkreten Einzelfall: innenpolitisch z.B. bei der Frage, welche Aufgaben der Sozialstaat im einzelnen zu erfüllen hat (Vorsorge-, Nachsorge-, Nachtwächterstaat), in der internationalen Politik bspw. bei der Frage, welcher (z.B. Wohlstands-, Gesundheits-, Bildungs-)Unterschied zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern noch als gerecht beurteilt wird.

Quelle: Schubert/Klein, Das Politiklexikon, Bonn 2001: Verlag J.H.W. Dietz


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