FriZ - Editorial aus Nr. 4/2007

Liebe Leserinnen, liebe Leser

«Klimakatastrophe» wurde in Deutschland zum Wort des Jahres 2007 gewählt – die deutschsprachige Schweiz dagegen wählte «Klimakompensation» zum Unwort des Jahres (und stattdessen «Sterbetourismus» zum Wort des Jahres). Und auf der Insel Bali treffen sich in diesen Tagen BürokratInnen und PolitikerInnen aller Staaten, um sich auf eine gemeinsame Strategie gegen die drohende Klimaerwärmung zu einigen. Gewiss, es wird am Schluss nur ein kleiner Teil der schönen umweltpoilitischen Absichten auch tatsächlich umgesetzt werden (und das auch nur zögerlich). Aber im Gegensatz zum Kyoto-Protokoll kann es sich diesmal kein Land mehr leisten abseits zu stehen und die Fakten zu negieren.

Und was bedeutet der Klimawandel friedenspolitisch? Einem Teil der Menschheit wird er wohl schon in absehbarer Zukunft das Leben schwerer machen. Er wird Ängste bewirken, weil er aller Voraussicht nach die Ressource Wasser in doppelter Weise betrifft: Zum einen wird das kostbare Gut Trinkwasser in Teilen der Welt noch knapper, zum anderen wird es an vielen Küsten zu häufigeren und grösseren Überschwemmungen kommen. Der Kampf um und gegen das Wasser kann die Bedingungen für die Entstehung neuer Konflikte schaffen. Aber: Nie wird das – wie auch immer gewandelte – Klima einen Krieg beginnen. Kriege werden auch in Zukunft immer durch Menschen und ihre Entscheidungen ausgelöst.

Detlev Bruggmann

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