Armut ist einer der wesentlichsten "Push-Faktoren" für Kinder, sich freiwillig den Streitkräften oder bewaffneten Gruppen anzuschließen. Wenn Kinder sich "freiwillig" melden, tun sie dies oft aus wirtschaftlichem Zwang und dem Fehlen anderer Möglichkeiten. Streitkräfte und bewaffnete Gruppen wissen dies: Ob es sich um einen 16-Jährigen aus Nordengland handelt, oder einen 15-Jährigen in Norduganda - das Angebot eines regelmäßigen Einkommens und einer Ausbildung kann Kinder anziehen, die keine anderen Aussichten im Leben haben. Ein englischer Rekrutierungsoffizier erklärte dazu: "Wir nehmen die Jugendlichen so bald wie möglich nach ihrem 16. Lebensjahr auf. (...) Früher haben wir den Fehler gemacht, sie nicht früh genug zu schnappen. Wir müssen sie haben, bevor sie anfangen zu trinken oder Drogen zu nehmen, eine Beziehung beginnen oder andere Jobs annehmen."1
Auch Zwangsrekrutierungen können durch Armut bedingt werden: In manchen Situationen können Eltern durch Geldangebote oder Drohungen dazu gebracht werden, ihre Kinder bewaffneten Gruppen oder der Armee zu
übergeben. In den Flüchtlingslagern von Panama, Brasilien und Venezuela entlang der kolumbianischen Grenze beispielsweise haben solche Taktiken Kinder dazu gebracht, in den Einheiten der regierungstreuen Paramilitärs oder der FARC zu kämpfen.
Nach einem Konflikt müssen ehemalige Kindersoldaten oftmals feststellen, dass sie sozial isoliert sind und dass ihnen die notwendigen Fähigkeiten oder Ausbildungen fehlen, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Sie benötigen Unterstützung bei der Verarbeitung der Gewalttätigkeiten, die sie erfahren haben. Und sie brauchen Ausbildungsmöglichkeiten, damit sie im Zivilleben und beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaften eine wichtige, nachhaltige Rolle spielen können. Ohne diese Hilfen wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ehemalige Kindersoldaten erneut rekrutiert werden. Die Coalition hat erfahren, dass eine erhebliche Anzahl von entlassenen Kindern in Zentralafrika verschwunden ist, um dann in den Einheiten der nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen wieder aufzutauchen.
Auch die Gemeinschaften benötigen Unterstützung, um ihre Kinder vor Rekrutierungen bewahren zu können. Armen Menschen fehlen oftmals nicht nur die Mittel, ihre Menschenrechte durchzusetzen, sondern auch jede Entwicklungschance und Zugang zu den notwendigen Ressourcen. Um diese Rechte für sich und ihre Kinder zu erlangen und Alternative zum Kriegsdienst zu entwickeln, ist die Mobilisierung von Gegenmacht gegen die Rekrutierung auf der Ebene der Gemeinschaften notwendig.
Die Coalition hält die Mobilisierung der Gemeinschaften und Stärkung der Zivilgesellschaft insgesamt für zentral wichtig zur Verhinderung von Rekrutierung und Einsatz von Kindersoldaten. Bekämpfung der strukturellen Armut, die Entwicklung der Zivilgesellschaft und die Selbstorganisation der Gemeinden zu Menschenrechtsproblemen sind untrennbar miteinander verbunden - dies gilt auch für die Frage der Kindersoldaten.
Casey Kelso ist Koordinator der internationalen Coaliation to End the Use of Child Soldiers.
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