FriZ 6/2003

Im August 2003 kehrte Markus Allenspach, 28, aus Kamerun nach St. Gallen zurück. Während eines Jahres hatte er im englischsprachigen Teil von Kamerun gelebt und gearbeitet. Von Monika Allenspach

220 Volt aus der Steckdose - keine Selbstverständlichkeit

Es begann damit, dass sich Markus Allenspach nach der Rekrutenschule und dem ersten Wiederholungskurs entschied, keinen weiteren Militärdienst mehr zu absolvieren und statt dessen Zivildienst zu leisten. Ausschlaggebend für seinen Entscheid waren die eigenen Erfahrungen im Militär und diejenigen von Freunden, die bereits Zivildienst leisteten. Er konnte es nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren, Militärdienst zu leisten, weil er überzeugt ist, dass mit militärischer Gewalt kein Friede zu erreichen ist.

Markus Allenspach suchte nun nach einer Schweizer Organisation, die Auslandeinsätze für Zivildienstleistende anbot. Fündig wurde er bei der Mission 21 in Basel, die Programme anbietet für freiwillige Einsätze und Zivildienst in Kamerun. Das Engagement der Mission 21 in Kamerun hat bereits eine rund 100jährige Geschichte der Mission, Entwicklungshilfe, Entwicklungszusammenarbeit und der kirchlichen Partnerschaft in Kamerun. Zunächst besuchte Markus Allenspach einen fünftägigen Vorbereitungskurs, in dem er erste Informationen über Kamerun erhielt und Grundlagen des interkulturellen Zusammenlebens vermittelt wurden. Dort wurde auch der zukünftige Arbeitgeber, die Presbyterian Church in Buea, als Partnerorganisation der Mission 21, vorgestellt.

Zum ersten Mal in Afrika

Am 10. September 2002 reiste Markus Allenspach nach Kamerun, und damit zum ersten Mal in seinem Leben nach Afrika. Neun Monate dauerte sein Zivildiensteinsatz, weitere 3 Monate arbeitete er mit einem Arbeitsvertrag der Mission 21 vorwiegend in Buea, der Hauptstadt der Süd-West-Provinz, am Fusse des Mount Kamerun. In Buea befindet sich der Hauptsitz der Presbyterian Church mit einem grossem Verwaltungsgebäude. Dort arbeitete Markus Allenspach als Elektromonteur an der Verbesserung und Instandstellung der elektrischen Installationen auf dem Kirchengelände. Dabei wurde er von einem kamerunischen Angestellten der Presbyterian Church unterstützt. Ihm sollte er während der Zusammenarbeit soviel theoretisches und praktisches Wissen wie möglich über die Elektroinstallationen weitergeben, damit auch nach seiner Rückkehr in die Schweiz der Unterhalt der Installationen gewährleistet bleibt. Daneben arbeitete Markus Allenspach auch mit einem Schweizer Zivildienst-Kollegen zusammen, dessen Aufgabe die Einrichtung einer Computerschule war. Ihn konnte er vor allem bei der Verkabelung der ganzen Hardware unterstützen. In Kamerun ist es nicht selbstverständlich, dass 220 Volt aus der Steckdose kommen. Mit speziellen Installationen muss deshalb dafür gesorgt werden, dass die Spannung im Stromnetz immer gleichbleibend ist. Weitere Aufträge führten Markus Allenspach nach Kumba, nördlich von Buea, und in ein Gesundheits-Zentrum in der Nord-West-Provinz, wo er die elektrischen Installationen auf ihre Sicherheit überprüfen und verbessern musste.

Strompreise wie in der Schweiz

Die halb-staatliche Elektrizitätsgesellschaft Kameruns produziert und verteilt den Strom. Da relativ wenig produziert wird, kann bei schwankendem Verbrauch die Spannung nicht immer genügend hoch gehalten werden. Vor allem in der Trockenzeit kann die Gesellschaft nicht genügend Strom ins Netz speisen, da der Strom ausschliesslich aus Wasserkraft gewonnen wird. Etwa 70 Prozent der Stromproduktion der Region um die Stadt Edea (südlich von Douala gelegen) wird vom nahe gelegenen Aluminiumwerk verbraucht. In den Privathaushalten werden die restlichen 30 Prozent praktisch ausschliesslich für Licht benötigt. Die Strompreise in Kamerun sind beinahe so hoch wie in der Schweiz. Die meisten Menschen können es sich deshalb nicht leisten, mit Strom zu kochen oder zu heizen. Meistens wird aus Kostengründen eine Neonröhre installiert, die weisses, hässliches Licht verbreitet, aber wenig Strom verbraucht. Bei der Montage wird in die Aussenwand des Hauses ein Loch geschnitten, so dass die eine Röhre sowohl den Innenraum als auch den Platz vor dem Haus beleuchtet. Glühbirnen werden kaum installiert, da sie zu viel Strom verbrauchen. Der Stromverbrauch ist also aus finanziellen Gründen und nicht aus ökologischen Überlegungen sehr gering.

Nicht nur Freude

Im August dieses Jahres kehrte Markus Allenspach mit einem reichen Erfahrungsschatz in die Schweiz zurück. Er hat erfahren, was es heisst, in einem Land zu einer (privilegierten) Minderheit zu gehören. In Kamerun lernte er Menschen und Familien kennen, die sich anders organisieren und definieren, als er es von zu Hause gewohnt war. Er fühlte sich wohl in Buea, auch wenn ihm das gemeinschaftliche Leben auf Dauer zu eng wäre und er ein Stück Privatsphäre vermissen würde, wie er erklärt.

Auch das Spannungsfeld in dem sich konkrete Entwicklungszusammenarbeit abspielt, hat er hautnah erlebt: Einerseits waren die Menschen, die in "seinen" Projekten arbeiteten, dankbar für seinen Beitrag zur Verbesserung ihrer Infrastruktur; auch die Weitergabe seiner Fachkenntnisse erachtet Markus Allenspach als sinnvoll. Auf der anderen Seite weiss er aber auch um all die dringend notwendigen Arbeiten, die er aus Kapazitätsgründen während seines Einsatzes nicht erledigen konnte. Und sehr früh schon wurde ihm klar, dass die Leitung der Presbyterian Church seinen Einsatz zwar begrüsste, dass sie es aber eigentlich vorgezogen hätte, von der Mission 21 die finanziellen Mittel zu erhalten, um einheimische Arbeitskräfte bezahlen zu können, und nicht europäische Arbeiter geschickt zu bekommen.

Markus Allenspach hat Buea zum einen als private Person kennengelernt, hat dort neue FreundInnen gefunden und sowohl die schönen, als auch die schwierigen Seiten des kamerunischen Lebens erfahren. Er hat die Süd-West-Provinz Kameruns aber auch als Elektro-Fachmann kennengelernt. Heute weiss er um die Bedeutung und den grossen Einfluss, den die vorhandene Infrastruktur sowohl für das wirtschaftliche wie auch für das private Leben in einer Gesellschaft hat.


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