FriZ - Editorial aus Nr. 6/2003

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Am 1. Dezember wurde in Genf die private Friedensinitiative für den Nahen Osten unter dem Patronat der schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey gestartet. Einen Tag später hat der neugewählte Nationalrat in einer seiner ersten Amtshandlungen einen Vorstoss verabschiedet, der die Verankerung des schweizerischen Bankgeheimnisses in der bundesverfassung fordert. Was diese beide Ereignisse miteinander zu tun haben? Besser lässt sich das Thema dieser friZ, die schweizerische Aussenpolitik, nicht versinnbildlichen: Als eine Medaille mit zwei Seiten, die sich immer wieder widersprechen. Auf der einen Seite die lange humanitäre Tradition der Schweiz, von der Gründung des Roten Kreuzes bis eben zur Genfer Friedensinitiative - auf der anderen Seite die wirtschaftlichen Interessen eines Kleinstaates, der weiter Hort für Flucht- und Schwarzgelder aus aller Welt bleiben will.

Mit seinem klaren Entscheid hat das Parlament gleich zu Beginn deutlich gemacht, dass es in dieser Hinsicht in der neuen Legislaturperiode 2003-2006 nichts Grundlegendes an diesem Dilemma ändern will. Wenn Sie diese friZ in Händen halten, dürfte auch klar sein, welche Seite der Medaille die neue Schweizer Regierung künftig bevorzugen wird.

Detlev Bruggmann

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