FriZ - Editorial aus Nr. 3/2003

wo - man - oeuvres

"womanoeuvres", der Titel der vom cfd im Mai 2003 organisierten FrauenFriedensKonferenz in Zürich, lässt vieles anklingen, worum es in den Vorträgen, Workshops und Diskussionen dieser Konferenz ging:

- um eine Analyse der "manoeuvres", der militärischen Übungen und Kampfspiele von Männern und deren Bedeutung für die Konstruktion von Männlichkeit;

- gleichzeitig ging es aber auch um eine kritische Untersuchung der "man-oeuvres", der von Männern dominierten Diskurse zu Krieg, Sicherheit und Frieden. Sie entwerfen militarisierte und männerzentrierte Sicherheitskonzeptionen, die dem Sicherheitsbedürfnis von Frauen kaum Rechnung tragen und deren Vorstellungen von Sicherheit nicht zur Kenntnis nehmen.

- "woman-oeuvres" wollte diese "man-oeuvres", die männlichen Theorien und Konzeptionen von Krieg, Frieden und Sicherheit, aufbrechen und feministischen Theorien und Ansätzen Raum geben: eben die "oeuvres" von Frauen, ihr friedenspolitisches Werk und Engagement, öffentlich machen. Mit "womanoeuvres" sollte den vielfältigen Aktivitäten und theoretischen Beiträgen von Frauen im Bereich der Friedenspolitik öffentlich breit Gehör verschafft werden; es sollte damit aber auch der eindimensionale "Mainstream" oder genauer "Malestream" der öffentlichen Debatten durchbrochen werden im Hinblick auf einen umfassenderen Friedensbegriff.

Wie ist es zur Idee einer internationalen FrauenFriedensKonferenz gekommen? Nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 wurde die cfd-Frauenstelle für Friedensarbeit mit Anfragen überhäuft und beteiligte sich an verschiedenen Demonstrationen und lokalen Aktionen. Dem friedenspolitischen Verständnis des cfd entsprechend, verweigerte sich die Frauenstelle jedoch dem vorschnellen Interpretieren und Einordnen des "Ereignisses" und setzte stattdessen auf eine feministische Analyse der historischen und kontextuellen Zusammenhänge. Sie lud dazu verschiedene Frauenorganisationen zu einem Vernetzungstreffen ein. Aus diesem Treffen ging die Veranstaltungsreihe "Frauenstimmen gegen den Krieg" hervor: Jeweils am 7. des Monats (am 7. Oktober 2001 begann die Bombardierung Afghanistans) fand eine Kundgebung mit anschliessender Diskussionsveranstaltung statt.1

Dem Männerdiskurs eigene, feministische Positionen entgegensetzen, alternative Konzepte von Frieden und Sicherheit entwickeln und diskutieren und sich mit unbequemen Fragen in die herrschende Weltpolitik einmischen - aus diesem Anliegen der Veranstaltungsreihe "Frauenstimmen gegen den Krieg" ging auch die Idee hervor, eine internationale FrauenFriedensKonferenz zu organisieren: "womanoeuvres" war eine Plattform für Information und Vernetzung, für Austausch und Meinungsbildung mit Fachfrauen, die als Beobachterinnen der dominanten Sicherheitsdiskurse und Kriegsrhetorik kritische Fragen stellen und als Friedenspolitikerinnen unterschiedliche alternative Konzepte von Frieden und Sicherheit diskutierten.

Es ging an unserer Konferenz nicht darum, als Frauen für alle Frauen zu sprechen oder eine einheitliche, gar weibliche Meinung zu bilden. Es ging vielmehr darum, dass Frauen aus unterschiedlichen Kontexten und Lebenszusammenhängen ihre Stimme erheben und sich mehrstimmig einmischen in die dominanten Debatten, dass Frauen eine eigene Sicht und Interpretation der Ereignisse entwickeln und sich austauschen oder auch streiten über ihre unterschiedlichen Wahrnehmungen, Meinungen, Positionen und Perspektiven. So dass möglichst viele Frauen an der Arbeit an einer anderen symbolischen Ordnung beteiligt sind, ihre eigenen Vorstellungen, Urteile, Interpretationen und Konzeptionen öffentlich machen und ihnen Gewicht verleihen.

Doris Strahm, Präsidentin des cfd


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