Editorial

"Sprache ist eine Waffe", sagte Kurt Tucholsky und traf mit seinen Sprachglossen ins Schwarze. Ganz anders ist George W. Bush nach dem 11. September mit scharfem Geschütz aufgefahren und hat den monumentalen Kampf des Guten gegen das Böse ausgerufen. Wie ein Stammesführer, der seine Krieger hinter sich schart und zu einer tödlichen Vergeltung aufbricht. Seine kriegerischen Reden hatten ihre Wirkung, wurden nach dem Terrorangriff von den meisten Amerikanern als Trost und Stärkung aufgenommen und haben die Parteien vereint für den "vernichtenden Schlag gegen den Terrorismus".

Sprache ist aber auch eine Waffe für den gewaltlosen Widerstand gegen Krieg. Andres Brütsch hat ausgehend von einem Brief, den er am 19. September übers Internet verbreitete, gegen 3000 Leute für eine Kundgebung in Zürich mobilisiert (s. Seite 7).

Einen stilleren, aber nicht weniger gefährlichen Krieg haben wir im Thema dieser Nummer aufgegriffen: Cyberwar, der Krieg auf dem Internet. Er kommt ohne herkömmlichen Waffen aus, zerstört, ohne Blut zu vergiessen. Er legt die Datenströme auf dem Netz und öffentliche und private Informationszentren lahm. Mit einem Internetanschluss und dem nötigen Wissen können CyberterroristInnen blitzschnell einen Anschlag auf die hochempfindlichen Wirtschafts- und Sicherheitssysteme ausüben, von denen die Existenz eines grossen Teils der Menschheit abhängt.

Sprache ist eine Waffe, die nicht tötet, aber aufrüttelt. Vor mehr als zwanzig Jahren hat Mani Matter das Lied über das Verhältnis der Reichen und Armen dieser Welt gesungen. Gusti Pollak zitiert in seiner Kolumne diesen Text, um auf den Hintergrund von Terrorismus und Krieg hinzuweisen. Mani Matters Worte symbolisieren auf ihre Weise den Einsturz des World Trade Centers.

Christa Zopfi

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