Aufgrund einer Initiative von 23 FriedensnobelpreisträgerInnen erklärte die UNO das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zu einer "Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die Kinder dieser Welt". Die Generalversammlung der UNO gab am 11.11.1998 ihre Zustimmung dazu, indem sie den vom Wirtschafts- und Sozialrat ECOSOC vorgeschlagenen Text einer Resolution ohne Abstimmung genehmigte. In dieser Proklamation fordert die UNO jeden Mitgliedstaat sowie NGO, Erziehungsinstitutionen, Kirchen etc. dazu auf, die Grundsätze der Gewaltfreiheit in allen gesellschaftlichen Bereichen zu realisieren. Der UNO-Generalsekretär wurde dazu aufgefordert, einen Bericht und einen Programmentwurf über die geplanten Aktivitäten der Dekade an der Millenniums-Generalversammlung vom September 2000 zu präsentieren.
Den Auftakt zur UNO-Friedensdekade macht gewissermassen das Jahr 2000, welches von der UNO zum internationalen Jahr für eine Kultur des Friedens deklariert wurde. Es soll in diesem Jahr darum gehen, die Öffentlichkeit zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den Themen Frieden, Gewalt und Konfliktlösung zu mobilisieren. Als koordinierende Organisation wurde die UNESCO ernannt, welche weltweite Aktionen startete. Dazu gehört insbesondere das Manifest 2000, welches von den FriedensnobelpreisträgerInnen verfasst wurde und von allen unterzeichnet werden kann1. Ziel ist es 100 Millionen Unterschriften an der Millenniums-Generalversammlung vorlegen zu können. Im Manifest geloben die Unterzeichnenden:
1. Alles Leben und die Würde jedes Menschen zu respektieren.
2. Gewalt auf allen Ebenen zurückzuweisen und aktive Gewaltlosigkeit zu praktizieren.
3. Die Ressourcen grosszügig mit anderen zu teilen.
4. Zuzuhören, um besser zu verstehen, und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.
5. Den Planeten Erde zu schützen.
6. Solidarität zu üben und in der Gesellschaft demokratische Regeln zu verfolgen, insbesondere auch die vollständige Beteiligung von Frauen zu unterstützen.
In der Schweiz haben sich zahlreiche Organisationen zusammengeschlossen2 und gemeinsam ein Plakat für Schulen entwickelt, das Kinder und Jugendliche zum Nachdenken anregen und Diskussionen auslösen soll (siehe S. 36).
Damit der Begriff der Kultur des Friedens nicht bloss eine hohle Leerformel bleibt, wurde er von der UNESCO genauer definiert3. Frieden wird hier als ein ganzes Set von Werten, Einstellungen und Verhaltensnormen verstanden, die zu einer friedlichen Schlichtung von Konflikten und zu einer bessere Verständigung führen sollen. Gewaltfreiheit, Toleranz und Solidarität stehen im Zentrum des Konzeptes. Die UNESCO betont allerdings, dass es nicht um eine Homogenisierung der Gesellschaften gehe. Im Gegenteil, die Tatsache, dass eine solche gemeinsame Vision aus einer mulitkulturellen Gesellschaft herauswachse, sei ein Beweis dafür, dass ein friedliches Zusammenleben möglich sei. Die Prinzipien des Individualismus (Respektierung der Rechte eines/einer jeden) sowie des Pluralismus (als Garantie für Meinungsfreiheit) müssten gleichermassen vertreten sein. Probleme sollen durch Dialog, Verhandlung und Vermittlung gelöst werde, so dass Krieg und Gewalt irgendwann nicht mehr möglich sind.
Aber wie kann eine solche Friedenskultur Realität werden? Die UNESCO, und mit ihr die UNO, setzen hierfür auf Bewusstseinsbildung, Mobilisierung, Information und v.a. auf die Erziehung nicht nur von Kindern. Die Kooperation und Koordination aller an diesem Projekt Beteiligten (Regierungen, NGO) steht am Anfang dieser Strategie. Hierfür soll das internationale Jahr für eine Kultur des Friedens genutzt werden.
(mr)
1 Im Internet: www.unesco.org/manifesto2000) 2 S. FriZ 1/00 oder: Stiftung Bildung und Entwicklung, Tel. 021 612 00 81 2 www.unac.org/peacep/intro/index.html| Inhaltsübersicht | nächster Artikel |
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