Kolumne aus Nr. 2/2000

Du. Soldat.

Von Jürgmeier

 

Du. Soldat.

Jetzt lassen sie dich.

Heissen dich wieder.

Und verraten den Dichter

Unserer Jugend. Der schrieb.

"Du. Mann an der Maschine."

Kaum war der Weltkrieg,

Der zweite, zu Ende.

"Du. Mädchen hinterm Ladentisch."

Und anheizte das allgemeine,

Das Niewiederkrieg.

Du. Soldat.

Verkünden sie. Du seist

Noch immer der beste.

Der beste Pädagoge seist du.

Sagen selbst die, die dir eben noch

Den Waffenrock vom Leib. Lernen.

Doziert der Schreibende und

Gelegenheitspädagoge. Ist eine gute

Sache. Bedeutet. Sich vorstellen können.

Dass es auch ganz anders. Heisst.

Alte Erkenntnis verwerfen.

Du. Soldat.

Bist wieder hoch. Bist im Kurs.

"Wir dürfen nicht wegsehen."

Und sollst wieder marschieren.

Für das Höhere. Wie immer.

Nicht fürs Vaterland zwar. Aber

Für die internationale Staaten-,

Die europäische Wertegemeinschaft.

Und immer erscheint die Gewalt

Als das Reale. Das Zuschlagen als

Einzige Alternative zum Wegsehen.

Du. Soldat.

Es sind die Verzweifelten.

Die dich ins Feld schicken.

Die nicht zur Kenntnis nehmen.

Dass unser Einfluss beschränkt.

Und wir kaum etwas gegen

Das Elend der Welt. Nur wenig gegen

Die Not unserer Liebsten zu tun

Vermögen. Es sind die Ohnmächtigen.

Die der Sehnsucht. Die

Dem Zauber nachgeben.

Du. Soldat.

Hörst du das Ständchen? Und wie sie

Dir schmeicheln. Die bekehrten PazifistInnen.

Du. Singen sie. Seist der Friedensengel.

Und wollen dich. Mit dem Zauberstab

In der Hand. Dem der Gewalt.

Senden nach Ruanda und Kosovo.

Nach Osttimor und Tschetschenien.

Denn die Berührung der Welt mit.

Verwandelt sie in meine.

In eine friedliche Welt.

Du. Soldat.

Nun heissen sie dich wieder.

Der Logik gehorchend. Unmoralisch sei.

Wer dich nicht. Ohne PazifistInnen kein Auschwitz.

Die Schlächter verstünden nur eine Sprache.

Aber. Abgesandt als Sonderpädagoge.

Zur Erziehung von Kriegsverbrechern.

Hinterlässt du. Zwiespältige Wirklichkeit.

Dem Diktator drohend. Mit dem Tod.

Dem seiner Knechte und Sklaven.

Nur tote Kinder und Mütter, Katzen und Väter.

Du. Soldat.

Ist das? Wirklich? Letzte Erkenntnis?

Fortschreitende? Oder doch nur

Der gemeine Wechsel? Einmal Churchill?

Einmal Gandhi? Ist es gesellschaftliche?

Ist es Entwicklung? Oder doch nur

Der gewöhnliche Lauf des Lebens?

Hätte ich die Hose. Die damals en vogue.

Behalten. Schon dreimal wär‘ ich. Zum

Letzten Mal schreiend. An vorderster Front.

Und grad jetzt wieder voll geil drauf.

Du. Soldat.

Bist du? Wirklich? Die Lösung?

Oder nicht doch das Problem?

Du drehst. Am Rad. Das du.

Zu stoppen vorgibst. Und nie.

Nie hatte der Friede. Hatten

PazifistInnen so viel Zeit. Wie der Krieg.

Zu beweisen. Was der Realität.

Was dem Menschen mehr entspricht.

Lernen ist auch. Lernen ist vor allem.

Der Kniefall der Utopie vor der Zeit.

Du. Soldat.

Im Stillen denken sie noch.

Und mit Wehmut. An den Neinsager.

Der starb. Vor den Tagen des Lernens.

Aber auch deine Stunden. Soldat.

Sind gezählt. Auf dem Schlachtfeld.

Und der Ehrentribüne. Deshalb.

Wenn sie dich fragen. Sag‘ Nein.

Sag. Ich habe Angst. Bevor sie

Das Buch dessen aus dem Gestell nehmen.

Der dich einen Mörder nannte. Mit Recht.

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